DAS PROBLEM

 

45,8 Millionen Menschen* leben weltweit in sklavenähnlichen Verhältnissen​​​

*The Global Slavery Index 2016

54 Prozent der Opfer, die 2011 in Deutschland von der Polizei erfasst wurden, waren jünger als 21 Jahre
 
573 gemeldete Fälle der sexuellen Ausbeutung in Deutschland im Jahr 2015 laut BKA

32 

Milliarden US-Dollar verdienen die Menschenhändler weltweit geschätzt jedes Jahr

4 Nationalitäten sind hauptsächlich sowohl Betroffene als auch Täter: Rumänen, Bulgaren, Deutsche und Ungarn
Die Opfer

Die Mehrzahl der Opfer des Menschenhandels stammen aus EU-Mitgliedstaaten

(vor allem aus Ost- und Südosteuropa) und halten sich legal in Deutschland auf.

Die Betroffenen werden häufig mit Versprechungen für eine legale und angeblich gut bezahlte Arbeit im Ausland angeworben

und dann in die Prostitution oder in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse gezwungen.

Hierzu setzen die Täter oft auch physische oder psychische Gewalt ein.

Hauptursachen des Menschenhandels sind die Perspektivlosigkeit beziehungsweise die Armut in den Herkunftsländern sowie die Nachfrage in den Zielländern nach Prostituierten und billigen Arbeitskräften. 

DEFINITION: WAS IST MENSCHENHANDEL?

Unter Menschenhandel versteht man laut des Rahmenbeschlusses des Europäischen Rats von 2002, die Anwerbung, Beförderung, Weitergabe, Beherbergung und spätere Aufnahme einer Person, einschließlich Tausch der Kontrolle oder Weitergabe der Kontrolle über sie, wenn eine der folgenden Voraussetzungen gegeben ist:

1. Anwendung oder Androhung von Gewalt oder anderen Formen der Nötigung, einschließlich Entführung, oder


2. arglistige Täuschung oder Betrug, oder


3. Missbrauch einer Machtstellung oder Ausnutzung einer Position der Schwäche, in einer Weise, dass die betroffene Person keine wirkliche und für sie annehmbare andere Möglichkeit hat, als sich dem Missbrauch zu beugen, oder


4. Gewährung oder Entgegennahme von Zahlungen oder Vergünstigungen mit dem Ziel, das Einverständnis einer Person zu erhalten, die die Kontrolle über eine andere Person hat, zum Zwecke der Ausbeutung einer Person mittels Prostitution oder anderer Formen der sexuellen Ausbeutung einschließlich Pornografie.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Menschenhandel erkennen

 

Es ist leider nicht immer eindeutig Opfer von Menschenhandel zu erkennen.

Die Täter arbeiten oft mit manipulativen Methoden wie Androhung von Gewalt gegenüber der Opfer oder Familienmitgliedern der Opfer.

Die Opfer sind häufig so eingeschüchtert, dass sie schweigen und schauspielern, um den Job nicht zu verlieren.

Mit der Zeit vertrauen diese Menschen niemandem mehr und isolieren sich zunehmend.

Viele Opfer wurden bereits in der Heimat misshandelt und sind meist völlig ahnungslos über ihre Rechte und das deutsche Gesetz sowie die Sprache.

Allerdings ist es möglich durch aufmerksames Beobachten und gezieltes Nachfragen, Menschenhändlern auf die Schliche zu kommen:

 

Anzeichen können sein:

  • äußere Anzeichen von körperlicher/seelischer Gewalt

  • Unterernährung und keine ausreichende Körperhygiene und Kleidung

  • starke Verängstigung, ausweichender Blick

  • Pass nicht vorhanden oder gefälscht

  • oft in Begleitung von sonderbaren männlichen Aufpassern („Dolmetscher“, „gute Freunde“), starke Unterwürfigkeit zu diesen Personen

  • extrem lange Arbeitszeiten (ohne Lohn- oder zeitlichen Ausgleich)

  • miserable Arbeitsbedingungen, Ausrüstung und Unterbringung

  • Wenn über Agentur: häufige Wechsel der Arbeitsstelle (so dass Auftraggeber keine Beziehung aufbaut oder nicht zuviele Fragen stellen kann, meist denkt man, Personen würden Urlaub machen)

  • unverhältnismäßig hohe Schulden

  • keine medizinische Versorgung/Versicherung (gehen nicht zum Arzt, obwohl verletzt)

  • Erinnerungslücken und kein Raum-Zeit-Gefühl

  • Kein Wille sich zu integrieren

  • Person darf selten alleine sprechen oder die Antworten wirken wie auswendig gelernt, wirkt künstlich

  • Meist sind kleine Kinder in der Heimat (starker emotionaler/finanzieller Druck)

Infografik | Menschenhandel 2015 | vom BKA

Bundeslagebild | Menschenhandel 2015 | vom BKA

TÄTERMETHODEN:

Täter benutzen häufig verschiedene Methoden, um ihre Opfer gefügig zu machen . 

Teilweise schwanken die Maßnahmen auch nach Herkunftsland. 

Ein paar häufig genutzte Methoden sind: 

- Vortäuschen von Liebesbeziehung

- Versprechen von Reichtum und Erfolg

- Gewaltandrohung

- Gewaltausübung 

- Androhung von Gewalt bezüglich Familienmitgliedern/Freunden des Opfers 

- Führen in eine Abhängigkeit (Drogen, Alkohol, etc.)

- Führen in eine Verschuldung des Opfers durch abgeschlossene Verträge auf deren Namen (z.B. Handy) 

Je nach Herkunftsland kann man Unterschiede im Umgang mit Opfern feststellen:

  • Ungarn: Die Täter setzen die Opfer unter Druck durch starke, physische Gewalt (massive Verletzungen)

  • Bulgarien/Rumänien: Opfer werden durch Bedrohung der Familie im Heimatland manipuliert. Es wird gedroht die Angehörigen ebenfalls zu verkaufen oder zu töten. Die Opfer kommen oftmals von den Sinti und Roma und haben keine Bildung sowie Rechte.

  • Thai: Es wird eine hohe Schuldknechtschaft errichtet. Die thailändische Mentalität sagt: Erst müssen die Schulden abgebaut werden, dann gibt es die „Freiheit." 
    Dadurch ist keine Gewalt nötig, weil die Opfer von sich aus gefügig sind. In Thailand besteht ein korruptes Netz, bei dem auch die Polizei Teil des Systems ist. Daher haben die Menschen wenig Vertrauen.
    Es gibt in Westländern eher Täterinnen. Sie heiraten einen Deutschen, erhalten damit Aufenthaltstitel und beherrschen dann die Frauen.

  • Nigeria: Mit Voodoo wird den Opfern gedroht und weibliche Zuhältern („Madame“) unterdrückt diese weiterhin.

 INFORMATIONSMATERIAL:

Artikel:

http://www.missingkids.com/en_US/documents/CCSE_Fact_Sheet.pdf

https://www.welt.de/vermischtes/article140875791/Erst-wurde-sie-zur-Prinzessin-dann-eine-Prostituierte.html …

WebsiteN: 

http://www.ungift.org/

http://www.ilo.org/global/

http://www.unhcr.de/

https://www.iom.int/cms/en/sites/iom/home.html

Buchempfehlungen: 

Sklavenhandel heute: Die dunkelste Seite der Globalisierung von David Batstone

Gewalt – die Fessel der Armen: Worunter die Ärmsten dieser Erde am meisten leiden – und was wir dagegen tun können von Gary A. Haugen